Rückruftraining: Warum viele Hunde scheitern – und wie du es besser machen kannst

Der Rückruf ist für viele Hundehalter*innen so etwas wie der „heilige Gral“ im Training. Wer wünscht sich nicht, den Hund entspannt laufen lassen zu können, mit dem guten Gefühl: Wenn ich rufe, kommt er sofort zu mir zurück?
Die Realität sieht leider oft anders aus – der Hund hört, schaut vielleicht noch kurz, dreht sich dann aber wieder ins Gebüsch ab. Frustrierend, oder?

Das Spannende ist: Häufig liegt das Problem gar nicht daran, dass der Hund „stur“ ist oder „nicht hören will“. Viel öfter überfordern wir ihn unbewusst – und genau da möchte ich dir heute ein bisschen tiefergehenden Input geben.

Hund in Wiese - Rückruf

Typischer Fehler: Zu früh zu viel wollen

Viele Hunde werden in Situationen zurückgerufen, die sie noch gar nicht händeln können.
Beispiel: Ein junger Hund entdeckt zum ersten Mal einen Hasengeruch im Gras. Für ihn ist das ein absolutes Highlight! Wenn du ihn in diesem Moment rufst, prallen Welten aufeinander: deine Stimme vs. seine instinktive Jagdbegeisterung.
Rate mal, was gewinnt? Genau.

Das bedeutet nicht, dass dein Hund „ungehorsam“ ist – er war einfach (noch) nicht in der Lage, diese Situation richtig zu meistern. Der Fehler liegt also nicht beim Hund, sondern in unserem Trainingsaufbau.

Tipp 1: Übe in kleinen, machbaren Schritten

Stell dir das Rückruftraining wie eine Leiter vor. Jede Sprosse steht für eine neue Herausforderung. Du steigst nicht direkt von ganz unten nach ganz oben, sondern Schritt für Schritt.

  • Starte leicht: ruf deinen Hund im Garten oder im Wohnzimmer, wenn es kaum Ablenkungen gibt.
  • Baue langsam auf: übe in Situationen, die nur ein kleines bisschen spannender sind – z. B. beim Spaziergang, wenn er gerade am Grashalm schnüffelt.
  • Steigere den Schwierigkeitsgrad erst, wenn die Basis wirklich sitzt.

So stellst du sicher, dass dein Hund nicht ständig erfährt: „Frauchen ruft, aber ich komme trotzdem nicht.“

Tipp 2: Arbeite mit einer Schwierigkeitsskala

Stell dir vor, jede Ablenkung für deinen Hund hat einen Wert zwischen 1 und 10.

  • Eine 1 ist fast gar keine Herausforderung – zum Beispiel, wenn du deinen Hund in der Küche rufst.
  • Eine 10 ist das absolute Maximum, also etwas, was dein Hund niemals ignorieren könnte. Für den einen ist das ein fliegender Ball, für den anderen der Geruch einer läufigen Hündin.

Das Spannende: Diese Skala ist individuell. Während Ballwerfen für Hund A eine 10/10 ist, kann es für Hund B nur eine 4/10 sein.

Das Ziel im Training ist, dich gemeinsam mit deinem Hund Stufe für Stufe hochzuarbeiten.

  • Fang bei 1–2 an, damit dein Hund gar nicht erst scheitert.
  • Erst wenn diese Stufen sicher sitzen, gehst du weiter nach oben.
  • Ein Rückruf gegen eine 10/10-Situation sollte immer das Endziel sein – nicht der Startpunkt.

Wenn du dir das wie ein Computerspiel mit Leveln vorstellst, wird schnell klar: Man überspringt nicht einfach die ersten Level, sondern steigert sich Schritt für Schritt.

Was oft übersehen wird

Viele Halter*innen sind zu ungeduldig und möchten schnelle Erfolge sehen. Aber: Rückruf ist ein Langzeitprojekt. Es lohnt sich, lieber einmal gründlich in Ruhe aufzubauen, statt ständig in Situationen zu scheitern.
Denn jeder misslungene Rückruf schwächt das Signal. Und jeder erfolgreiche Rückruf festigt es.

Mein Extra für dich

Wenn du in Köln bist und Lust hast, den Rückruf von Anfang an sauber aufzubauen, gibt es bei mir einen vierwöchigen Einsteigerkurs, in dem wir genau diese Schritte gemeinsam trainieren. Aber auch wenn du alleine übst: Fang klein an, sei konsequent – und vergiss nie, wie groß die Leistung deines Hundes ist, wenn er sich gegen all die spannenden Reize da draußen entscheidet und zu dir zurückkommt.

Fazit

Ein guter Rückruf entsteht nicht aus Druck oder Glück, sondern aus einem fairen Trainingsaufbau, klaren Zwischenschritten und viel positiver Verstärkung. Wenn du das beherzigst, wirst du langfristig einen Hund haben, auf den du dich jederzeit verlassen kannst – und das ist doch genau das, was wir uns wünschen, oder?

📬 Lust, gemeinsam daran zu arbeiten? Schreib mir – ich helfe dir gern weiter.

Unterschrift von Tina in handschriftlicher Schrift
Hundetrainerin Tina Kämmerling

Hundetrainerin im Raum Köln